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Barrierefreiheit

Barrierefreiheit beschreibt das Ziel, Gebäude und Produkte so zu gestalten, dass sie von jedem Menschen – unabhängig von seiner körperlichen Verfassung oder seines Alters – ohne Einschränkungen, also universell, nutzbar sind.

Barrierefreiheit bedeutet sinngemäß: "Für jeden begehbar, nutzbar, erreichbar". Barrierefreiheit zielt auf den Abbau von Schranken ab, die Menschen an der Teilnahme und Teilhabe am öffentlichen und privaten Leben teilweise oder ganz hindern. Barrierefreiheit wird im Bereich der Kommunikations- und Informationstechnologie sowie in den Bereichen Bauen und Verkehr zu einer entscheidenden Grundlage für die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen.

Rechtsgrundlagen

Seit dem 1. Mai 2002 ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) in Kraft. Das Gesetz ist eine weitere gesetzliche Konsequenz zur Umsetzung desBenachteiligungsverbots im Grundgesetz. Kernstück des BGG ist die Herstellung von Barrierefreiheit. Erstmals wird neben der Beseitigung oder Vermeidung von baulichen Barrieren, etwa in Gebäuden oder im Verkehr, die Barrierefreiheit von Informationstechnik festgeschrieben.

Laut § 4 BGG sind barrierefrei "bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind."

Das BGG verpflichtet Bundesbehörden und Behörden, die Bundesrecht ausführen, ihre elektronisch angebotenen Informationen (beispielsweise CD-ROMs, DVDs, elektronische Vordrucke, Internetangebote) bis zum 31.12.2005 barrierefrei zu gestalten.

Zur Barrierefreiheit tragen bei: zum Beispiel Publikationen in einfacher Sprache für Menschen mit geistiger Behinderung, die Beseitigung räumlicher Barrieren für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, die kontrastreiche Gestaltung der Lebensumwelt für sehbehinderte Menschen sowie die Kommunikation mittels Gebärdensprachdolmetscher. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache als eigenständige Sprache zu (vergleiche § 6 BGG).

Gewerbliche Betreiber von Internetseiten werden zwar zu Barrierefreiheit aufgefordert, sind aber nicht gesetzlich dazu verpflichtet.

Um das Ziel der Barrierefreiheit zu erreichen, wurden weiterhin verschiedene Bundesgesetze im Bereich Bahn-, Luft- und Nahverkehr sowie unter anderem das Gaststätten- und Hochschulrahmengesetz geändert.

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) wird durch gesonderte Rechtsverordnungen (RVO) ergänzt:

- Kommunikationshilfenverordnung (KHV) - RVO zu BGG § 9
- Verordnung über barrierefreie Dokumente in der Bundesverwaltung (VBD) - RVO zu BGG § 10
- Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) - RVO zu BGG § 11

In der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) wird die praktische Umsetzung des BGG geregelt. Mit ihrer Verabschiedung am 17. Juli 2002 wurde in Deutschland erstmals ein Rahmen vom Staat festgelegt, der die einzelnen Aspekte der Barrierefreiheit definiert.

Im Bereich der Informationstechnik bezieht sich die Benutzerfreundlichkeit/Barrierefreiheit vor allem auf die Wahrnehmbarkeit sowie die Interaktionsfähigkeit. Eine barrierefreie Internetseite ermöglicht das problemlose Lesen und Navigieren mit den derzeit zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln. Grundsätzlich gilt: Je mehr JavaScript, Animationen, Flash und ähnliche Elemente verwendet werden, desto weniger handelt es sich um barrierefreie Internetseiten.


Grundlegende Prinzipien der Barrierefreiheit

1. Wahrnehmbarkeit


Inhalte und Funktionen sollten so dargestellt werden, dass sie von allen Benutzern wahrgenommen werden können, das heißt, dass alle Informationen auch ohne Seh- oder Hörvermögen zugänglich sein müssen. Folglich müssen Bilder oder Audiodateien mit einem erklärenden Text ausgestattet sein.


2. Bedienbarkeit
Die Benutzeroberfläche sollte von allen Nutzern bedient werden können. Blindeoder mobilitätsbehinderte Menschen können zum Beispiel keine Maus nutzen, da sie den Mauszeiger nicht erkennen bzw. die Mausbewegungen nicht kontrollieren können, stattdessen bewegen sie sich mit der Tastatur in den Inhalten fort, wobei gewährleistet sein muss, dass alle Bereiche auch per Tastendruck erreichbar sind.

3. Navigierbarkeit
Die Navigation sollte auf die Inhalte abgestimmt sein und sich leicht erschließen lassen, übersichtlich und effektiv sein. Ziel ist es, den Nutzer so schnell und unkompliziert wie möglich zu der gewünschten Information zu leiten.

4. Verständlichkeit
Inhalt und Steuerelemente eines Informationsangebots sollten klar und nachvollziehbar ausgedrückt und dargestellt sein. Veranschaulichungen und einfache Ausdrucksweisen helfen Menschen, die beispielsweise eine andere Sprache sprechen, nicht die nötigen Hintergrundinformationen oder Erfahrungen besitzen oder ein geringeres Auffassungsvermögen besitzen.

5. Robustheit der Technik
Dieser Ausdruck steht für den Einsatz von Technologien, die es ermöglichen, Informationen möglichst unbegrenzt in heutigen und zukünftigen Ein- und Ausgabemedien wiederzugeben.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Trennung des Inhalts von seinem Design, das heißt die Trennung von Inhalt, Struktur und Layout eines Internet-Dokumentes. Dies wird durch strukturierte Sprachen wie HTML/XML möglich. Das Nutzen vonHTML/XML ermöglicht nicht nur die inhaltliche Kennzeichnung der Dokumentbestandteile, sondern auch die Erzeugung einer hierarchischen Struktur, die das Navigieren erleichtert.

Barrierefreies Bauen

Barrierefreiheit bezieht sich auf den Gesamtbereich der gestalteten Umwelt und schließt einerseits den Bereich von Information und Kommunikation ein, andererseits Bauwerke und technische Produkte aller Art.

In öffentlich genutzten Gebäuden und Anlagen geht es darum, hindernisfreie Orientierung, Erreichbarkeit und Nutzbarkeit im Sinne einer umfassendenTeilhabe am Leben der Gesellschaft für möglichst alle Menschen sicherzustellen.

Dies gilt insbesondere für Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung, Kinder, Senioren sowie für zeitweilig mobilitätseingeschränkte Personen (circa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung). Die Ursachen spezieller Anforderungen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Rechtsgrundlagen für barrierefreies Bauen

Grundlegend für barrierefreies Bauen ist das Diskriminierungsverbot gemäß Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 Grundgesetz: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" (seit 1994 im Grundgesetz verankert).

Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG) bietet seit dem 1. Mai 2002 einen gesetzlichen Rahmen für das barrierefreie Planen und Bauen.

Auf der Ebene der Bundesländer wirken die jeweiligen Landesgleichstellungsgesetze, die von fast allen Bundesländern erarbeitet werden oder schon verabschiedet wurden. Sie konkretisieren die Rahmen-Regelungen und können in ihren Anforderungen darüber hinausgehen.

Des Weiteren gelten die jeweiligen Landesbauordnungen bzw. Gaststätten(bau)-verordnungen sowie die jeweiligen technischen Baubestimmungen in DIN-Normen, die für die Praxis besonders bedeutsam sind.

DIN-Normen

DIN-Normen sind vom Deutschen Institut für Normung e.V. in Berlin herausgegebene technische Richtlinien. Die Erarbeitung einer neuen DIN-Norm hat den Zweck, "allgemein anerkannte Regeln der Technik" zu schaffen, damit in Rechtsvorschriften oder in privat-rechtlichen Verträgen auf diese Norm Bezug genommen werden kann.

Eine DIN-Norm ist eine reine Empfehlung technischer Art. Sie ist aus sich heraus nicht rechtsverbindlich und hat keinen Gesetzescharakter. Die Rechtsverbindlichkeit der DIN wird in den jeweiligen Bauordnungen oder anderen Verordnungen der Bundesländer festgelegt. Werden Bauleistungen für den öffentlichen Bereich erbracht, so ist die Einhaltung verschiedenster DIN-Normen oft zwingend.

Die nachfolgend aufgeführten DIN-Normen für barrierefreies Bauen gelten für alle Neubauten, Umbauten, Modernisierungen und Nutzungsänderungen (erhältlich beim Beuth Verlag, Köln):DIN 18024 Teil 1 "Barrierefreies Bauen, Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze, Planungsgrundlagen"DIN 18024 Teil 2 "Barrierefreies Bauen, öffentlich zugängliche Gebäude und Arbeitsstätten, Planungsgrundlagen"

DIN 18025 Teil 1 "Barrierefreie Wohnungen, Planungsgrundlagen, Wohnungen für Rollstuhlbenutzer"

DIN 19025 Teil 2 "Barrierefreie Wohnungen, Planungsgrundlagen, Wohnungen für Blinde und wesentlich Sehbehinderte"

DIN 18030 (Entwurf) "Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen".
Diese DIN soll künftig die bislang geltenden DIN in einer Vorschrift zusammenfassen. Die sensorischen Anforderungen wurden deutlich erweitert und durch einen Abschnitt "Ergonomische Grundlagen" untermauert.

Außerdem wurden Anforderungen für Rettungswege und Straßentunnel aufgenommen, hinsichtlich der Aufzüge die DIN EN 81-70 berücksichtigt und eine Reihe baulicher Anforderungen präzisiert. Die Norm soll allgemein für die Planung, Ausführung und Ausstattung von barrierefreien Gebäuden und barrierefreien Verkehrs- und Außenanlagen gelten.

Finanzielle Förderung

Für die behinderungsgerechte Gestaltung öffentlicher Gebäude geben zum Teil die Länder finanzielle Hilfen. Über mögliche Erleichterungen im sozialen Wohnungsbau informieren die örtlichen Wohnungsbauförderungsämter.

Aus Mitteln der Ausgleichsabgabe sind Wohnungshilfen für berufstätigeschwerbehinderte Menschen möglich, soweit kein vorrangiger Anspruch gegenüber einem anderen Leistungsträger besteht. Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt in aller Regel ein vorrangiger Anspruch gegenüber dem zuständigen Rehabilitationsträger vor (§ 33 Absatz 8 Nummer 6 SGB IX).

Bauliche Maßnahmen im Betrieb und am Arbeitsplatz können gefördert werden, wenn dadurch die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen ermöglicht oder erleichtert wird (siehe auch Begleitende Hilfe im Arbeitsleben). Im Einzelfall geben auch Rehabilitationsträger und die Pflegeversicherung finanzielle Hilfen.